Seit drei Tagen, seit die heidnische Schar das ruhige Harbachtal heimsuchte, grübelte Ursula, die sich, von ihremVater geschickt, mit den anderen Frauen des Dorfes in einem der Burgtürme verseckt hielt, darüber nach, wie sie ihre Geschwister/Brüder, das Haus, die Tiere und auch die Nachbarn vor den rohen und grausamen Reitern retten könnte, die schon so lange das sächsische Siedlungsgebiet verwüsteten...

Die Geschichten über die fremden Reiter, mit denen die Eltern ihre Kinder erschreckten, wenn deren Gehorsam zu wünschen übrig ließ, stammten noch von ihrem Ahnherrn, der aus Hessen stammte und in einem Spätfrühling nach Katzendorf gekommen war und sich schließlich,als er so alt wie Ursula war, aufmachte um nach Agnetheln, zu einem der berühmten Agnethler Gerbermeister zu kommen. Er wurde Gerber. Seither war über ein Jahrhundert vergangen und nun war es Ursulas Vater, der die Felle gerbte. Die ausweglose Lage Ursulas ähnelte der der Heiligen Ursula, ihrer Namenspatronin, aber sie sagte sich, dass es nicht sinnvoll wäre, wie jene, den Weg des Martyriums zu wählen sondern lieber die fremden Reiter zu verjagen, auch wenn man dafür nicht heiliggesprochen wir... Sie schmiedete einen Plan und sammelte unbemerkt Fell- und Stoffreste in einer Ecke des Gerberturms. Schließlich  schlüpfte sie unbemerkt aus der Burg und näherte sich verkleidet laut brüllend und hüpfend dem Lager der Feinde, die ob der unheimlichen Erscheinung in Panik gerieten und flohen. Der große Mut Ursulas blieb aber, obwohl sie nicht heiliggesprochen wurde, unvergessen und sie blieb bis heute die Urzel,  welche die Türken aus Agnetheln vertrieben hat.



Der berühmte Handwerkerort Agnetheln wurde erstmalig im Jahre 1280 urkundlich erwähnt. Seine Bekanntheit verdankte der Ort nicht allein der ergiebigen Tätigkeit der    Zünfte der Gerber, Tschismenmacher, Schneider, Fassbinder und Töpfer, sondern auch der weitläufigen Kirchenburg mit Wehrtürmen, für deren Instandhaltung und Verteidigung ebenfalls die Zünfte zuständig waren. So kam es, dass Agnetheln bereits im Jahre 1376 das königliche Privileg zur Abhaltung eines Jahrmarktes am 24. Juni, demm Johannistag, erhielt sowie das Recht, das Siegel des Schenker Stuhls aufzubewahren, den Sitz des Gerichts zu sein, wie ein Schreiben aus der Kanzlei von König Sigismund von Luxemburg von 1409 belegt. Im gleichen Jahrhundert erhält der Ort, aufgrund seiner Lage in unmittelbarer Nähe zur Grenze der Wallachei, das Ius Gladii und das Recht im Kriegsfall die Hälfte der wehrfähigen Männer zur Verteidigung der eigenen Burg zurückzuhalten. 

Das genaue Datum der Errichtung der Hallenkirche, die wohl eine romanische Basilika ersetzte, ist nicht bekannt.  Die Kirche und der sie umgebende dreifache Bering sind im Laufe der Zeit immer wieder veändert worden. Die dreischiffige Kirche hat im Osten einen langgezogenen Chorraum mit einer Apsis mit 5/8-Abschluss. Auf der Südseite befindet sich eine Priesterpforte und ein spätgotisches gotisches Sakramentshäuschen. Über dem Chorraum wurde ein gemauertes Wehrgeschoss mit errichtet, dessen Wurflöchern hinter Verteidigungsbögen, welche die Strebepfeiler verbinden, verborgen sind.  Das Wehrgeschoss wurde 1892 bei Renovierungsarbeiten abgetragen.

Das Hauptschiff verfügt über ein Tonnengewölbe in dessen südwestlichem Teil noch Spuren der ehemaligen tönernen Gewölberippen zu erkennen sind. Das Gewölbe ruht auf den ursprünglichen Pfeilern mit quadratischem Grundriss, vor denen Pilaster angeblendet  wurden. Die Rundbögen zwischen den Pfeilern wurden  auf der Nordseite durch gotische Spitzbögen ersetzt. Das nördliche Seitenschiff, in welchem sich Spuren eines romanischen Rundbogens haben, ist niedriger als das südliche und verfügt über eine Empore. Das südliche Seitenschiff hat die gleiche Höhe wie das mit Kreuzgewölbe und durch Spitzbögen unterteilte Hauptschiff. Die Kirche verfügt über  Spitzbogenfenster und drei Portale, je eines pro Schiff.

Der westlich der Kirche stehende massive, sechsgeschossige Glockenturm mit Fachwerkbrüstung ist 44m hoch. Das Erdgeschoss öffnet sich in drei großen Spitzbögen, und bildet ein Portikus  vor dem Haupteingang. Als zu Begin des 16. Jahrhunderts die Bauarbeiten zur Wehrbarmachung/die Befestigungsarbeiten an  der Kirche begannen, hat die Töpferzunft das Erdgeschoß erhöht und mit einer Ziegelmauer verstärkt, deren Dach bis zum zweiten... des Turmes reichte. Im Inneren auf zwei Ebenen. Im oberen Bereich wird über eine Galerie die Verbindung die beiden Teile des Westturmes verbindet. Der Portikus wurde ebenfalls mit einem Wehrgeschoß mit Schießscharten und Fachwerkwehrgang versehen/ausgestattet. 

Um die Kirche entstanden sukzessive drei Wehrmauern/Beringe von denen heute nur noch vier,  nicht durch Mauerabschnitte verbundene Türme erhalten sind, die Türme der Schuhmacher-, Schneider-, Schmiede- und Böttcherzunft. Sie wurden aus Bruchsteinen erbaut und waren außen verputzt und haben ursprünglich die obere Kurtine verteidigt. Torturm war der imNorden der burg stehende, mit einem Fallgatter versehene Zimmermannsturm. Die Schneiderzunft war für den Turm im Süd-Osten zuständig, die Stiefelmacher für den im Südwesten gelegenen, und auch als Speckturm bekannten Wehrturm und die Schmiedezunft für den im Osten. Die fünfgeschossigen Türme wurden im Innern durch Balkendecken unterteilt und waren mit Schießscharten versehen, die Erdgeschosse waren, mit Ausnahme des Schneiderturms, mit Gewölben überspannt. Wie viele andere Wehrtürme in sächsischen Kirchenburgen waren sie nur über Leitern zugänglich.

Zwischen den ersten beiden Wehrmauern entstand der Zwinger. Der äußere polygonale Bering umschloß einen Wassergraben und nutzte nach außen hin den Bach und das sumpfige Gelände als natürliches Hindernis.

Die Chronik der Zerstörungen und baulichen Veränderungen schaut in groben Zügen wie folgt aus:

1600 stecken Söldnertruppen die Kirche in Brand, die erst 1614 renoviert wird; 1845 wird der dritte Bering abgetragen; 1867 stürzen die Vorratskammern des ersten Berings ein, 1870 stehen nur noch die Türme, das Baumaterial vom Abtragen der Mauer wird  beim Bau der Schule wiederverwendet; 1890 werden Teile der Gewölbe des südlichen Seitenschiffs erneuert; zwei Jahre später wird das Wehrgeschoss des Chors abgetragen, und 1908 wird die Kirche mit einem neuen Dach versehen.
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